hat alles, was mir widerfährt, einen sinn? I

18 Jan

„Wenn der Herrgott ein Töpfer wäre, hätt‘ er da Gefallen daran, einen Krug zu drehen, um ihn dann auf den Misthaufen zu werfen?“

frei nach Omar Khayyam

Vor ziemlich genau drei Jahren saß ich meinem Urologen gegenüber und er sagte: „es tut mir leid, das Ergebnis besagt, dass Sie Prostatakrebs  haben“ (oder so ähnlich) – da war es erstmal still ‚in mir drin‘ – keine Panik – kein Schweißausbruch – kein Wutanfall – einfach Stille…

Was sollte jetzt passieren? Alles von Bestrahlung bis Geistheiler ging mir durch den Kopf, was würde jetzt aus mir?

Meine äußere Welt war zu dem Zeitpunkt im Zusammenbruch begriffen, im Arbeitsbereich war ich schon mitten im ‚Burn-out‘, mein Privatleben nur noch als Katastrophe zu bezeichnen. Eine Instanz in mir sagte: ’na klar!‘ Ein tiefes inneres Gefühl von ‚ich-hab-es-ja-gewusst‘ – keine Überraschung, eine ‚Störung‘ quasi im Zentrum von Lust, Lebensfreude, Schöpferkraft, dumm gelaufen? – nix von allem!

Was tat ich damals? Als erstes einen Auflösungsvertrag gemacht – Gesundheit ist wichtiger! Dann offensiv dazu Stellung bezogen, nicht gesagt, ‚da ist was ernsteres‘, sondern: „Leute, ich habe Prostatakrebs“, eine Selbsthilfegruppe von Betroffenen aufgesucht (Selbsthilfegruppen anderer Art begleiten mich schon mehr als die Hälfte meines Lebens) und gelesen, recherchiert und den Rat von Freunden gesucht.

Nun sollten sich Früchte zeigen, von Jahren der Auseinandersetzung mit dem ‚was-hinter-dem-ist-was-wir-sehen‘ (hört sich an wie der Name eines Indianers) , Freundschaften haben sich intensiviert, ein Freund mit, sagen wir mal, hellseherischer Begabung sagte mir:“Du wirst erst die normale urologische Behandlung hinter dich bringen und dann ganz viel für dein Leben lernen“ Die Begegnungen mit Lehrern (allen voran mein eigener Vater) und ‚Meistern‘ die mich an die Ränder der zivilisierten Welt und natürlich auch an die Ränder meines eigenen Vorstellungsvermögens führten, waren da, das Leben hat mir die besten Lehrer hinterher geschmissen, so wie es mir Ressourcen geliefert hat, wofür ich heute Dankbarkeit empfinden kann. Dies lag damals schon fertig, als ‚Ahnung‘ da, als Blaupause für den Plan meiner Rettung.

Der Arzt, der mich operieren wollte, musste sich mein Vertrauen noch erarbeiten, er hat es gewonnen, in dem er nicht hysterisch ausflippte, als ich meinte, ich wollte mich jetzt nicht operieren lassen.

Er durfte, er war einige Wochen später schon ein Teil ‚des Plans‘ geworden…

2 Antworten to “hat alles, was mir widerfährt, einen sinn? I”

  1. Petra 19. Januar 2011 um 18:38 #

    Hier hat der Herrgott wirklich einen ganz besonderen Krug getöpfert. Einen – aus dem ich stets gern trank und noch trinke, weil stets ein liebevolles, achtsames und gutes Tröpfchen aus ihm floß und gottseidank noch fließt!

    Manchmal ist ein Krug auch leer. 🙂
    Doch dadurch nicht weniger wunderbar.
    Gottes Gefäß.
    Namaste.
    In Liebe
    P.

  2. Evelyn 21. Januar 2011 um 16:51 #

    Lieber Tobias,

    Deine Frage ist nur mit JA zu beantworten, auch wenn wir die „wirkliche“ Antwort oftmals erst später erkennen und dann sehen können, wofür die Situation diente.

    Dir weiterhin viel Erfolg und viele Erkenntnisse :-))

    Herzlichst
    Evelyn

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