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…dankbar…

19 Okt

unter: undbleibensiesowiewirsind.wordpress.com/2011/05/01/hat-alles-was-mir-widerfahrt-einen-sinn-ii/ schrieb ich:

rotes Blatt

'Rotes Blatt' Tobias Herrmann, 2010

‚und „musst du dir erst eine lebensbedrohliche Krankheit zulegen, damit es dir g u t  geht?‘ Was ist das denn?“ eine gute Frage – ja !?! – für alle Prozesse der Wandlung ist auch eine Phase der Dankbarkeit wichtig.

Dankbarkeit ist einer der Schlüssel zum Glück, das sagt nicht nur z. B .“The Secret“, ich versuche mir das auch immer wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Wem dankbar sein?

Ich nenne es das Universum, in diesem Universum wohnt ein kreativer Geist, der uns so gewollt hat wie wir sind und uns so liebt wie wir sind – da fängt es schon an schwierig zu werden, mit Worten zu erklären…
DIE KRAFT im Universum ist die Liebe, hierzu gibt es unzählige Zitate aus allen Kulturen, so sprach auch der erw. Lama Migmar zur Einweihung der großen Stupa am Pauenhof. Hat mich erstaunt, so einfach, aber – keine Frage, ‚ein Geist der Liebe‘ das ist das einzige was ich mir da vorstellen kann.
Die Operation ist jetzt gut drei Jahre her, mein PSA-Wert ist heute noch im Bereich von 0,001 bis 0,008 also faktisch unter ’nicht nachweisbar‘ – Bestrahlung oder Chemo waren nicht notwendig, ‚Nachwirkungen‘ halten sich in Grenzen – sogar die Potenz ist erhalten geblieben.
Es hat mir klargemacht – guck bei dir – so gesehen war der Krebs ein ‚Glück‘, unter einer differenzierten Betrachtung natürlich. Für meinen eigenen Weg, natürlich ‚hätte das nicht sein müssen‘, wie die Erwachsenen früher immer gesagt haben, wenn etwas nicht so gelaufen ist, wie es sollte.

Es gelingt mir auch nicht jeden Morgen aufzuwachen und zu sagen: „Danke für dieses Leben!“ aber – einem jungen Hund beim Spielen zusehen, frisch gemähtes Gras riechen, eine schöne Musik hören – das geht in diese Richtung…

Auch wenn ich irgendwann sterben sollte – was das einzige ist, was mit Sicherheit kommen wird – so wünsche ich mir klar genug im Kopf zu bleiben um DAS sann sagen zu können.

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hat alles, was mir widerfährt, einen sinn ? II

1 Mai
'Buch des Lebens' Stahl  2003 von Tobias Herrmann

'Buch des Lebens' Stahl 2003 von Tobias Herrmann

Die Zeit im Krankenhaus verging im Flug, ich konnte bald die um das Krankenhaus herum gelegenen Stadtviertel kennen lernen, Eis essen, mit Kunststudenten diskutieren, alle waren froh wenn ich mich so viel wie möglich bewegte. Ich bekam Besuch von lieben Menschen, ich hatte einen Zimmernachbarn, der nie den TV angemacht hat, die Stationsschwester hat mich in ein Privatzimmer gelegt, obwohl ich nicht ‚privat‘ war, die Visiten waren positiv – als hätte da jemand für mich gesorgt…  zu Hause war ich nicht mehr zu Hause, soviel war klar, nun kam die Frage „wie geht es weiter?“ Erst sollte aber die Reha kommen, eine ‚Anschlussheilbehandlung‘ wie der Fachmann sagt, ich wollte ja meinen Willen durchdrücken und eine Klinik meiner Wahl anvisieren, aber dazu kam es nicht. Ich hatte mich überzeugen lassen, eine Klinik zu nehmen, die in der Nachsorge spezialisiert auf meine Art von Erkrankung ist. Das war genau richtig. Ich dachte, häh, eine Kur in einer bergischen Großstadt? Ein echter Volltreffer, eine Klinik mitten im Wald, mit fast ländlicher Umgebung und mit dem Bus in 20 Minuten mitten in der Großstadt mit Geschäften, Museen, Cafés – total die Fülle, morgens Gymnastik, Bäder, Wohlfühlmassagen, nachmittags Spaziergänge im Wald, in den kleinen Ort oder in die Großstadt – alles zu meiner Verfügung.

Ich merkte, wie gut es mir ging, schon im Krankenhaus machte sich das bemerkbar, und heute denke ich „stell dir das vor, da haben Ärzte vier Stunden lang an dir rumgeschnippelt und nach fünf Tagen kannst du wieder nach Hause“ und „musst du dir erst eine lebensbedrohliche Krankheit zulegen, damit es dir  g u t  geht?“ Was ist das denn?

Ich war (und bin es vielleicht auch heute noch) weit davon entfernt mir selbst die ‚Erlaubnis zu geben‘, dass es mir gut geht – das Leben, das Universum oder wie auch immer, musste mich mit der Nase drauf stoßen.  Heute lerne ich, in kleinen Trippelschrittchen mich selbst zu lieben, auszubrechen aus dem ‘Pendeln’ zwischen Selbsthass und Selbstmitleid, das durchwirkt langsam alle Schichten meines Seins und ich kann ‘Menschen lieben’und nicht nur ‘einen Menschen lieben’- uuund ich bin nicht von der Gnade eines einzelnen Menschen abhängig! https://undbleibensiesowiewirsind.wordpress.com/2011/01/07/love-is-all-you-need/

hat alles, was mir widerfährt, einen sinn? I

18 Jan

„Wenn der Herrgott ein Töpfer wäre, hätt‘ er da Gefallen daran, einen Krug zu drehen, um ihn dann auf den Misthaufen zu werfen?“

frei nach Omar Khayyam

Vor ziemlich genau drei Jahren saß ich meinem Urologen gegenüber und er sagte: „es tut mir leid, das Ergebnis besagt, dass Sie Prostatakrebs  haben“ (oder so ähnlich) – da war es erstmal still ‚in mir drin‘ – keine Panik – kein Schweißausbruch – kein Wutanfall – einfach Stille…

Was sollte jetzt passieren? Alles von Bestrahlung bis Geistheiler ging mir durch den Kopf, was würde jetzt aus mir?

Meine äußere Welt war zu dem Zeitpunkt im Zusammenbruch begriffen, im Arbeitsbereich war ich schon mitten im ‚Burn-out‘, mein Privatleben nur noch als Katastrophe zu bezeichnen. Eine Instanz in mir sagte: ’na klar!‘ Ein tiefes inneres Gefühl von ‚ich-hab-es-ja-gewusst‘ – keine Überraschung, eine ‚Störung‘ quasi im Zentrum von Lust, Lebensfreude, Schöpferkraft, dumm gelaufen? – nix von allem!

Was tat ich damals? Als erstes einen Auflösungsvertrag gemacht – Gesundheit ist wichtiger! Dann offensiv dazu Stellung bezogen, nicht gesagt, ‚da ist was ernsteres‘, sondern: „Leute, ich habe Prostatakrebs“, eine Selbsthilfegruppe von Betroffenen aufgesucht (Selbsthilfegruppen anderer Art begleiten mich schon mehr als die Hälfte meines Lebens) und gelesen, recherchiert und den Rat von Freunden gesucht.

Nun sollten sich Früchte zeigen, von Jahren der Auseinandersetzung mit dem ‚was-hinter-dem-ist-was-wir-sehen‘ (hört sich an wie der Name eines Indianers) , Freundschaften haben sich intensiviert, ein Freund mit, sagen wir mal, hellseherischer Begabung sagte mir:“Du wirst erst die normale urologische Behandlung hinter dich bringen und dann ganz viel für dein Leben lernen“ Die Begegnungen mit Lehrern (allen voran mein eigener Vater) und ‚Meistern‘ die mich an die Ränder der zivilisierten Welt und natürlich auch an die Ränder meines eigenen Vorstellungsvermögens führten, waren da, das Leben hat mir die besten Lehrer hinterher geschmissen, so wie es mir Ressourcen geliefert hat, wofür ich heute Dankbarkeit empfinden kann. Dies lag damals schon fertig, als ‚Ahnung‘ da, als Blaupause für den Plan meiner Rettung.

Der Arzt, der mich operieren wollte, musste sich mein Vertrauen noch erarbeiten, er hat es gewonnen, in dem er nicht hysterisch ausflippte, als ich meinte, ich wollte mich jetzt nicht operieren lassen.

Er durfte, er war einige Wochen später schon ein Teil ‚des Plans‘ geworden…